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Tag 46. Seattle – Space Needle – Und Einfach Nur Seattle

Ausgeschlafen?

Nicht wirklich aber nun hatten wir nur noch den heutigen Tag, um etwas mehr von der Stadt zu sehen und zu erleben. Also aufgestanden und wachgeduscht. Anschließend gab es ein ausgiebiges Frühstück, schließlich musste noch alles verbraucht werden was wir an Vorräten übrig hatten. Und so futterten wir alles in uns rein was noch übrig war. Wir packten unseren Rucksack und hatten außer dem Plan, die Space Needle zu besuchen, noch nichts weiter im Sinn. Gut genährt und voll motiviert liefen wir zum Bus 131. Wieder dauerte die Fahrt bis in das Stadtzentrum eine gute Stunde.

Wir stiegen an einer Station nahe der Space Needle aus. Zuerst ging es in den Space Needle Park. Ansässig waren hier auch das Museum für moderne Kunst oder Popkultur, das Seattle Center, das Pacific Science Center, Chihuly Garden and Glass und das Memorial Stadium. Wir liefen an dem Museum vorbei über einen Spielplatz, der nicht nur für Kinder gedacht war und kamen an den internationalen Springbrunnen. Hier verweilten wir ein bisschen. Der Brunnen machte seine Wasserspiele und diverse Menschen spielten mit dem Brunnen. Ziel war es hauptsächlich nicht nass zu werden, da es nach dem Zufallsprinzip ablief, wusste also niemand so genau, wo der nächste Strahl auftauchen würde. Das war meistens sehr witzig anzuschauen. Das Wetter war Top, die Bewohner hatten gute Laune und wir genossen die Szenerie.




Wir schlenderten noch ein wenig mehr durch den Park. So fanden wir einen Hotdog Stand und bestellten beide unseren ersten amerikanischen Hotdog. Alice den Seattle- und ich den Boston Style. Wie bei Ikea auch, durfte man seinen Hotdog noch in Eigenregie, mit verschiedensten Dingen belegen. Das taten wir auch. Nun waren das Brötchen und die Wurst gar nicht mehr auszumachen. Ketchup, Salat, Gurken, einfach alles quilte nun aus allen Seiten hervor. An zivilisiertes essen war nicht mehr zu denken. Wir deckten uns reichlich mit Servietten ein und suchten uns einen Platz zum Sitzen. Der „heiße Hund“ wurde letzten Endes von uns beiden als Schmackhaft eingestuft und für gut befunden.

Nun wollten wir auch nicht länger warten und liefen die paar Schritte zum Wahrzeichen Seattles. Zur Weltausstellung 1962 eröffnet und mit einer Gesamthöhe von 184 Metern, kein sehr hoher Turm. Für damalige Verhältnisse jedoch schon. Fast sieben Jahre lang, war dies das höchste Gebäude Seattles und des Staates Washington. Im Jahr 2000 gab es die letzte große Renovierung und der Turm wurde zusätzlich ausgebaut. Wir fuhren nun mit einem der drei Fahrstühlen nach oben. Ein Mitarbeiter, der den Fahrstuhl bediente, erzählte uns noch weitere technische Details aber so viel konnten wir uns gar nicht merken.




Die Aussicht auf Seattle war klasse. Auch wenn die Konstruktion des Turmes es weniger zuließ gute Bilder zu schießen. In den Sechzigern hatte man eine fotografierende Menschheit eher weniger auf dem Schirm gehabt. Um den äußeren Metallring nicht auf jedem Bild zu haben, musste man seine Hände, plus Kamera weit über die Brüstung strecken. Gleich mehrfach wurde ich vom Sicherheitspersonal gebeten das doch zu unterbinden. Da ein fallendes Mobiltelefon oder eine Kamera aus dieser Höhe, zu einem tödlichen Objekt, für die unter dem Turm laufenden Passanten werden könnte. Ich versuchte mich so gut es ging an die Anweisungen zu halten aber wie bereits erwähnt wurde ich mehrfach angesprochen.



Es gab aber auch so viel zu sehen. Downtown Seattle, Olympic Mountains, Cascade Mountains, Mount Rainier, Mount Baker und natürlich Elliott Bay und der Hafen der Stadt. Wir waren froh jetzt hier zu sein, bei Tageslicht und nicht in der Dunkelheit. Somit hatten wir eine gute Sicht auf alles und jeden. Wir drehten gleich mehrere Runden und wie so oft, entdeckten wir mit jeder neuen Runde auch neue Eindrücke. Ein leichter Wind zog über unsere Köpfe hinweg und die Sonne gab ihr Bestes, um auch die letzten Wolken am Himmel verdunsten zu lassen. Wir genossen noch einen kurzen Augenblick das geschehen, bevor es wieder mit dem Fahrstuhl nach unten ging.




Vom Turm aus hatten wir einen Hügel im Norden entdeckt und den wollten wir jetzt rauf. Wir versprachen uns gute Bilder von der Stadt und dem Turm im Vordergrund. So einfach wie wir uns das Dachten, war es dann doch nicht. Wieder versperrten uns große Häuser die Sicht und es war nicht einfach überhaupt irgendwo einen geeigneten Spot zu finden. Ich sprach einen Handwerker an, ob er nicht einen guten Platz kenne, um Bilder von der Stadt zu schießen. Leider nein. Er ist selber zugereist, kommt aus Kanada, lebt seit zwanzig Jahren in den USA und da wir morgen nach Kanada reisen würden, hatte er und auch wir, jede Menge zu erzählen. Und so verstrich die Zeit. Der Handwerker musste wieder seiner Arbeit nachgehen und wir wollten auch wieder los. Wir gingen zu dem einen Punkt, den wir fanden zurück und machten doch noch ein, zwei Fotos.



Auf dem Weg den Hügel runter hörten wir immer wieder eine Stimme rufen. Nur etwas später kam die Stimme näher und näher in einem Cabriolet angerollt. Ob wir einen roten Pudel gesehen hätten, fragte uns der Mann im Auto. Wir verneinten. Ehrlich gesagt habe ich in meinem ganzen Leben noch keinen roten Pudel gesehen. Die Möglichkeit wäre ja nun da. Wir versprachen dem Mann unsere Augen offen zu halten. Er war dankbar aber nicht weniger besorgt. So fuhr er weiter bis er nicht mehr zu sehen war. Zu hören war er aber noch einige Zeit. Wir schauten nach dem Pudel aber ohne Erfolg. Hoffentlich hatte der Besitzer mehr Glück.




Wir liefen nun Richtung Innenstadt, auf der Suche nach einer Postzweigstelle. Die fanden wir auch und der Angestellte, der für uns zuständig war, hatte richtig gute Laune. Als er bemerkte, dass Alice aus Frankreich kommt, stieg diese ins unermessliche. Er kommt aus Louisiana, lebt aber jetzt in Washington. Da hier nur wenige französisch sprechen, war er hellauf begeistert und verwickelte uns in ein Gespräch. In Louisiana ist die Amtssprache Französisch und diese zu sprechen, das fehlte ihm offensichtlich. Er war sehr sympathisch und sein breites Lachen ehrlich und ansteckend. Auch seine Kollegen grinsten über beide Ohren, da er nun die ganze Filiale unterhielt. Er erinnerte mich ein wenig an Eddy Murphy, das Lachen war fast identisch. Nachdem er uns in bester und freundlichster Manier bedient hatte, verabschiedeten wir uns von ihm. Er bedankte sich bei uns und wir wären jederzeit gern willkommen.

Die gute Laune übertrug sich auch auf uns und so liefen wir jetzt grinsend durch die Stadt. Wir fanden so ganz nebenbei eine Besucherterrasse die perfekt war, um Fotos von der Skyline zu knipsen. Wir hatten den perfekten Moment, um uns den Sonnenuntergang in Ruhe an zu schauen. Nur eine Handvoll anderer tat es uns gleich. Anscheinend war die Terrasse so was wie ein Insider Tipp gewesen. Die Sonne ging unter und die ersten Lichter wurden eingeschaltet. Mir gefiel das jetzt schon so gut, das wir beschlossen, später noch einmal für ein paar Nachtaufnahmen her zu kommen. Jetzt wollten wir aber erst einmal etwas essen.





Wir gingen durch die Altstadt und wie gestern um die gleiche Zeit, verwandelten sich nun die Leute und wurden komisch. Da steht ein Typ an der Kreuzung und trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „ I Need A Fat Bitch“. Ich spare mir hier einmal die Übersetzung. Und nicht, das er dieses Shirt nur trägt, nein, er spricht die Passanten auch an und fragt, ob nicht jemand seine Fat B… sein möchte. Das sehr lautstark und in voller Überzeugung. Cesar erzählte uns später, dass dieser Typ bekannt sei wie ein bunter Hund, aber harmlos. Ein roter Pudel hätte es aber auch getan, dacht ich mir. Oder die Frau, halb ausgezogen, steht da neben einem Baugerüst und macht einen auf Comedy Street. Sie erzählte irgendwelche Gags und gestikuliert wild mit den armen. Unverständlich. Sowohl was die Dame von sich gab, als auch das, was sie performte. Ach du verrücktes Amerika.



Wir drehten uns nun bei der Lokalauswahl im Kreis. Entweder hatte es schon geschlossen, war gerade am Schließen, zu überfüllt oder einfach nicht unser Geschmack. Manchmal machen wir es uns auch selber schwer. Also kamen wir ohne etwas gegessen zu haben, wieder an der Terrasse an. Nun war es auch Dunkel, sämtliche Lichter eingeschaltet und wir bereit, uns die Skyline bei Nacht an zu schauen. Auch jetzt waren wir nicht allein. Einige der Personen, die wir hier zum Sonnenuntergang angetroffen hatten, waren noch immer hier. Auch sie warteten auf das „perfekte“ Bild. Der Wind brachte kalte Luft von der See und so beschlossen auch wir für heute Feierabend zu machen.




Mit dem Bus 131 ging es zurück nach Burien. Unterwegs meldeten sich unsere Mägen und wir wussten worauf das hinaus laufen sollte. Denny’s, na klar. Ein letztes Mal zu Abend essen in unserem Lieblingsrestaurant. Jeder bestellte das, was er bis dahin am liebsten hatte und wir ließen es uns schmecken. Bei den Mitarbeitern waren wir mittlerweile bekannt und gern gesehen. So unterhielten wir uns auch noch mit der/dem einen oder anderen. Wir bedankten und verabschiedeten uns von allen und machten uns auf den Heimweg. Nun war es wieder an der Zeit, das Kugelprinzip aus zu packen und zur Unterkunft zu rollen.

Halb tot fielen wir ins Bett. Aber an Schlaf war irgendwie noch nicht zu denken. Viel zu nervös waren wir wegen morgen gewesen. Hatten wir an alles gedacht? Alle Sachen gepackt? Alle Dokumente dabei? Nicht doch noch irgendwo, irgendwas vergessen? All die Fragerei und das kontrollieren, taten ihr Übriges zur bereits vorhandenen Müdigkeit dazu. Wir ergaben uns dem Schicksal und verloren uns in unseren Träumen.

7.12.17 04:16

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